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Der Verguetungs-Split: So rechnet sich Repowering trotz sinkender EEG-Tarife

Alt-Tarif vs. Neu-Tarif, Mischkalkulation und Eigenverbrauch als Hebel: Wie der Verguetungs-Split beim PV-Repowering die Wirtschaftlichkeit bestimmt.

24. Februar 20264 min readVon Dipl.-Ing. Markus Weber

Das Problem: Zwei Tarife auf einem Dach

Beim Repowering einer bestehenden PV-Anlage entsteht eine Situation, die in der Branche als "Verguetungs-Split" bekannt ist. Die Bestandsanlage -- sofern sie noch innerhalb der 20-jaehrigen EEG-Foerderdauer liegt -- erhaelt ihren historischen Einspeisetarif. Neue Module, die im Rahmen des Repowerings hinzukommen oder bestehende ersetzen, erhalten dagegen den aktuellen, deutlich niedrigeren Tarif.

Fuer eine Anlage aus dem Jahr 2010 mit einem EEG-Tarif von 34 ct/kWh und einem heutigen Repowering-Tarif von rund 8 ct/kWh ergibt sich ein erhebliches Gefaelle. Die zentrale Frage lautet: Wie laesst sich unter diesen Bedingungen eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung treffen?

Alt-Tarif vs. Neu-Tarif: Die Zahlen

Historische EEG-Verguetungssaetze (Auswahl)

InbetriebnahmeVerguetung (Dach < 30 kWp)Restlaufzeit ab 2026
200554,53 ct/kWhAusgelaufen
200846,75 ct/kWhAusgelaufen
201034,05 ct/kWh4 Jahre
201224,43 ct/kWh6 Jahre
201512,31 ct/kWh9 Jahre
20209,87 ct/kWh14 Jahre

Aktuelle Verguetungssaetze (2026)

Fuer neue Anlagen oder Repowering-Erweiterungen gelten derzeit:

  • Bis 10 kWp: 8,03 ct/kWh (Volleinspeiser) bzw. 7,94 ct/kWh (Ueberschusseinspeisung)
  • 10-40 kWp: 6,95 ct/kWh
  • 40-100 kWp: 5,68 ct/kWh

Bei einer Anlage aus 2010 bedeutet das: Die verbleibenden Alt-Module liefern Strom fuer 34 ct/kWh, waehrend neue Module nur noch knapp 7 ct/kWh erhalten. Ein Austausch 1:1 vernichtet also kurzfristig massiv Ertrag.

Die Mischkalkulation: Wann lohnt sich was?

Die Wirtschaftlichkeit eines Repowering-Projekts haengt von der Balance zwischen drei Faktoren ab:

1. Restlaufzeit des Alt-Tarifs

Je laenger der alte Tarif noch laeuft, desto weniger attraktiv ist ein sofortiger Vollaustausch. Faustformel: Bei mehr als 5 Jahren Restlaufzeit lohnt sich eher eine Teilmodernisierung (z. B. nur Wechselrichtertausch) als ein kompletter Modultausch.

2. Leistungssteigerung durch neue Module

Moderne Module liefern auf gleicher Flaeche bis zu 50 % mehr Ertrag. Wenn eine Anlage aus 2010 mit 180-Wp-Modulen durch 400-Wp-Module ersetzt wird, verdoppelt sich die Nennleistung nahezu. Der absolute Ertrag steigt, auch wenn der spezifische Tarif sinkt.

Rechenbeispiel fuer eine 30-kWp-Anlage (Standort Suedhessen, 950 kWh/kWp):

SzenarioJahresertragEinnahmen/Jahr
Bestand (30 kWp, Alt-Tarif 34 ct)28.500 kWh9.690 EUR
Repowering (55 kWp, Neu-Tarif 7 ct)52.250 kWh3.658 EUR
Repowering + 50% Eigenverbrauch52.250 kWh8.813 EUR*

*Eigenverbrauchsanteil bewertet mit 30 ct/kWh (vermiedener Strombezug)

3. Eigenverbrauch als Hebel

Der entscheidende Gamechanger ist der Eigenverbrauch. Bei einem Strompreis von rund 30 ct/kWh fuer Gewerbestrom bedeutet jede selbst verbrauchte Kilowattstunde eine Ersparnis, die den niedrigen Einspeisetarif bei Weitem kompensiert.

Die Formel fuer den effektiven Ertrag:

Effektiver Ertrag = (Eigenverbrauch x Strompreis) + (Ueberschuss x Einspeisetarif)

Bei 50 % Eigenverbrauch und einer repowerten 55-kWp-Anlage ergibt sich:

  • Eigenverbrauch: 26.125 kWh x 0,30 EUR = 7.838 EUR
  • Einspeisung: 26.125 kWh x 0,07 EUR = 1.829 EUR
  • Gesamt: 9.667 EUR/Jahr

Das entspricht nahezu dem Alt-Tarif-Ertrag -- bei deutlich mehr Leistung und 25 weiteren Betriebsjahren.

Strategien fuer den Verguetungs-Split

Strategie A: Abwarten und Wechselrichter tauschen

Wenn der Alt-Tarif noch > 5 Jahre laeuft, kann ein reiner Wechselrichtertausch die Ertragsverluste durch defekte oder ineffiziente Wechselrichter beheben, ohne den Alt-Tarif zu gefaehrden. Kosten: 3.000 bis 8.000 EUR je nach Anlagengroesse.

Strategie B: Teilrepowering mit Erweiterung

Die Bestandsanlage bleibt als eigener Erzeugungszaehler bestehen. Zusaetzliche Module werden als separate Neuanlage mit eigenem Zaehler installiert. So bleibt der Alt-Tarif erhalten, waehrend die Erweiterung den Eigenverbrauch optimiert.

Strategie C: Vollrepowering nach Tarifende

Nach Ablauf der EEG-Foerderung erhaelt die Bestandsanlage nur noch den Marktwert (ca. 3 bis 5 ct/kWh). In diesem Fall rechnet sich ein Vollrepowering fast immer, weil der Neuanlagen-Tarif plus Eigenverbrauch den Marktwert deutlich uebersteigt.

Fallstrick: Anlagenzusammenfassung

Vorsicht ist geboten bei der sogenannten Anlagenzusammenfassung nach Paragraph 24 EEG. Werden Alt- und Neuanlage als eine Einheit gewertet, kann der Alt-Tarif fuer die gesamte Anlage entfallen. Die raeumliche Trennung, getrennte Zaehler und eine zeitliche Luecke von mindestens 12 Monaten koennen helfen, dieses Risiko zu vermeiden -- die genauen Regeln sind jedoch komplex und erfordern fachkundige Beratung.

Fazit

Der Verguetungs-Split ist kein Grund, auf Repowering zu verzichten -- aber er muss in jeder Wirtschaftlichkeitsberechnung beruecksichtigt werden. Der Eigenverbrauch ist der staerkste Hebel, um sinkende Einspeisetarife zu kompensieren. Eine sorgfaeltige Analyse von Restlaufzeit, Eigenverbrauchspotenzial und Anlagengroesse entscheidet darueber, ob sofortiges Repowering, Teilmodernisierung oder Abwarten die richtige Strategie ist.


Tipp: Lassen Sie Ihre individuelle Mischkalkulation in einem Repowering-Audit durchrechnen, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

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