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Repowering-ROI: Wann sich die Investition fuer Gewerbeanlagen rechnet

CAPEX, LCOE und Amortisation beim PV-Repowering: Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsanalyse fuer Gewerbeanlagen am Beispiel einer 100-kWp-Anlage.

24. Februar 20265 min readVon Dipl.-Ing. Markus Weber

Repowering-Investitionen richtig bewerten

Die Frage "Rechnet sich das?" steht bei jedem Repowering-Projekt im Zentrum. Anders als bei einer Neuanlage auf der gruenen Wiese muessen beim Repowering bestehende Ertraege, Demontagekosten und regulatorische Besonderheiten einkalkuliert werden. In diesem Beitrag zeige ich anhand einer konkreten 100-kWp-Gewerbeanlage, wie eine fundierte ROI-Berechnung aufgebaut wird.

Die Ausgangslage: Bestandsanlage 100 kWp

Unsere Referenzanlage hat folgende Eckdaten:

ParameterWert
Inbetriebnahme2008
Nennleistung100 kWp
ModultypPolykristallin, 230 Wp
Wechselrichter2x SMA Sunny Tripower (Baujahr 2008)
Aktueller spezifischer Ertrag820 kWh/kWp (Degradation ca. 15%)
EEG-TarifAusgelaufen seit 2028 (Marktwert: 4 ct/kWh)
Jetziger Jahresertrag82.000 kWh
Jetzige Einnahmen3.280 EUR/Jahr (Marktwert)

Die Anlage produziert noch zuverlaessig, aber die Ertraege sinken jaehrlich um 0,8 bis 1 %, die Wechselrichter haben ihre Lebensdauer erreicht, und die Einspeisung zum Marktwert deckt kaum die laufenden Kosten.

CAPEX: Was kostet das Repowering?

Die Investitionskosten (CAPEX) setzen sich beim Repowering aus mehreren Posten zusammen:

Kostenaufstellung 100-kWp-Repowering

KostenpositionBetrag
Demontage Altmodule und Unterkonstruktion5.000 - 8.000 EUR
Entsorgung/Recycling Altmodule (440 Stueck)3.500 - 5.000 EUR
Neue Module 182 kWp (400 Wp, 455 Stueck)32.000 - 38.000 EUR
Neue Wechselrichter (2x Huawei SUN2000)8.000 - 12.000 EUR
Neue Unterkonstruktion6.000 - 9.000 EUR
Elektroinstallation und Zaehlerumbau4.000 - 6.000 EUR
Statiknachweis und Genehmigung2.000 - 3.500 EUR
Inbetriebnahme und Dokumentation1.500 - 2.500 EUR
Gesamt CAPEX62.000 - 84.000 EUR

Fuer unsere Referenzrechnung nehmen wir einen mittleren CAPEX von 73.000 EUR an, das entspricht rund 401 EUR/kWp bezogen auf die neue Nennleistung von 182 kWp.

Vergleich mit Neuanlagen-Kosten

Eine vergleichbare Neuanlage ohne bestehende Infrastruktur wuerde etwa 900 bis 1.100 EUR/kWp kosten. Der Repowering-Vorteil: Kabeltrassen, Netzanschluss, Zaehlerschrank und haeufig auch Teile der Unterkonstruktion koennen weitergenutzt werden.

LCOE: Stromgestehungskosten nach Repowering

Die Levelized Cost of Electricity (LCOE) geben an, was jede produzierte Kilowattstunde ueber die Lebensdauer der Anlage kostet. Fuer unsere repowerte Anlage:

ParameterWert
CAPEX73.000 EUR
Jaehrliche Betriebskosten (OPEX)2.500 EUR
Jaehrlicher Ertrag (Jahr 1)172.900 kWh (182 kWp x 950 kWh/kWp)
Degradation0,4 %/Jahr
Nutzungsdauer25 Jahre
Diskontierungssatz3 %
LCOEca. 5,2 ct/kWh

Zum Vergleich: Der aktuelle Gewerbestrompreis liegt bei rund 25 bis 30 ct/kWh. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart also das Fuenf- bis Sechsfache der Erzeugungskosten.

Amortisationsrechnung: Drei Szenarien

Die Amortisationszeit haengt massgeblich vom Eigenverbrauchsanteil ab. Wir rechnen drei realistische Szenarien:

Szenario 1: Volleinspeisung (Eigenverbrauch 0 %)

KenngroesseWert
Jaehrlicher Ertrag172.900 kWh
Einspeiseverguetung5,68 ct/kWh (40-100 kWp)
Jaehrliche Einnahmen9.821 EUR
Jaehrliche Betriebskosten2.500 EUR
Jaehrlicher Nettoertrag7.321 EUR
Amortisationca. 10 Jahre

Szenario 2: 30 % Eigenverbrauch

KenngroesseWert
Eigenverbrauch (51.870 kWh x 0,28 EUR)14.524 EUR
Einspeisung (121.030 kWh x 0,0568 EUR)6.875 EUR
Jaehrliche Einnahmen gesamt21.399 EUR
Jaehrliche Betriebskosten2.500 EUR
Jaehrlicher Nettoertrag18.899 EUR
Amortisationca. 4 Jahre

Szenario 3: 50 % Eigenverbrauch (mit Speicher)

KenngroesseWert
Eigenverbrauch (86.450 kWh x 0,28 EUR)24.206 EUR
Einspeisung (86.450 kWh x 0,0568 EUR)4.910 EUR
Jaehrliche Einnahmen gesamt29.116 EUR
Jaehrliche Betriebskosten3.200 EUR (inkl. Speicher)
CAPEX inkl. Speicher (50 kWh)93.000 EUR
Jaehrlicher Nettoertrag25.916 EUR
Amortisationca. 3,6 Jahre

Sensitivitaetsanalyse: Welche Faktoren zahlen am meisten?

Die ROI-Berechnung ist nur so gut wie ihre Annahmen. Die drei groessten Hebel:

1. Strompreisentwicklung

Eine Strompreiserhoehung um 2 ct/kWh verbessert den jaehrlichen Ertrag bei 30 % Eigenverbrauch um rund 1.037 EUR. Angesichts der Preistrends der letzten Jahre ist ein konservativer Ansatz von 2 % jaehrlicher Steigerung realistisch.

2. Eigenverbrauchsanteil

Der Sprung von 0 % auf 30 % Eigenverbrauch verkuerzt die Amortisation von 10 auf 4 Jahre. Jeder Prozentpunkt mehr Eigenverbrauch bringt bei einer 182-kWp-Anlage rund 485 EUR zusaetzlichen jaehrlichen Wert.

3. Modulpreise

Die Modulpreise sind in den letzten Jahren stark gefallen. Bei einer Reduktion der Modulkosten um 20 % sinkt der CAPEX um ca. 7.000 EUR und die Amortisation im Szenario 2 auf unter 3,5 Jahre.

Foerdermoeglichkeiten

Beim Repowering stehen verschiedene Foerderinstrumente zur Verfuegung:

  • KfW-Kredit 270: Zinsverguestigter Kredit fuer Erneuerbare Energien
  • Regionale Foerderprogramme: Viele Bundeslaender und Kommunen bieten Zueschuesse fuer Speicher und Repowering
  • Steuerliche Vorteile: Sofortabschreibung fuer Gewerbebetriebe, Investitionsabzugsbetrag
  • Solarpaket I: Vereinfachte Rahmenbedingungen und ggf. Repowering-Bonus

Fazit

Repowering einer 100-kWp-Gewerbeanlage ist wirtschaftlich attraktiv, sobald ein relevanter Eigenverbrauchsanteil besteht. Bei 30 % Eigenverbrauch liegt die Amortisation bei rund 4 Jahren, die Gesamtrendite ueber 25 Jahre uebersteigt die Investition um ein Vielfaches. Der LCOE von etwa 5 ct/kWh macht selbst erzeugten Solarstrom zur guenstigsten Energiequelle fuer Gewerbebetriebe.

Entscheidend ist eine praezise Bestandsaufnahme: Wie hoch ist das Eigenverbrauchspotenzial? Welche Foerderungen sind verfuegbar? Und rechnet sich ein Speicher? Diese Fragen klaert ein professionelles Repowering-Audit.


Wichtig: Die genannten Zahlen sind Richtwerte. Jede Anlage ist individuell -- lassen Sie Ihre spezifische Situation von einem Fachgutachter bewerten.

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